Die Weisen auf dem Weg zu Jesus

Von allen Gestalten der Weihnachtszeit, die die Evangelien uns in den kommenden Tagen vor Augen führen, sind die Weisen besonders geheimnisvoll. Schauen wir mal nach bei Mt 2,1 ff.:

Sie folgen von Osten her kommend einen Stern (klingt wie der „Starmann“ von David Bowies frühen Album „Ziggy Stardust“; naja, das waren wohl Träumer), fragen in Jerusalem nach, wo der neue König der Juden ist (ziemlich unüberlegt; wie waren jetzt die Machtkonstellationen?),  gehen dann nach Bethlehem (in einen unbedeutenden Ort), bringen einer jungen Familie unpraktische Geschenke (Gold, Weihrauch und Myrrhe) und ziehen schließlich auf einem anderen Weg (was es nicht gerade leichter macht) heimwärts... Seltsam. Was sagt uns das? Ich glaube viel!

Zunächst: Die Weisen waren ganz offenbar Personen, die innerlich nach Gott Ausschau hielten. Im Licht der Sterne suchten sie das ewige Licht, in der Schöpfung den Schöpfer. Habe ich diese Offenheit, diese innere Ausschau; bin ich für Gott ansprechbar, gerade zu Weihnachten?

Dann: die Weisen machten sich auf den Weg! Sie waren nicht nur „offen“, sie handelten! Vielleicht waren sie Babylonier, die Jesaja 9, 1 ff. kannten: „Das Volk, das im Dunkel lebt, sieht ein helles Licht... Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns geschenkt. Die Herrschaft liegt auf seiner Schulter; man nennt ihn: Wunderbarer Ratgeber, Starker Gott, Vater in Ewigkeit, Fürst des Friedens.“. Das Entscheidende: Sie brachen auf – vermutlich durch eine Wüste hindurch! Sehr kühn. Würde ich das auch tun? Habe ich den Mut und die Beständigkeit durch die „Wüste“, durch die „Nacht“ des Glaubens zu gehen? Wirklich zu gehen, auf Gott, auf Jesus hin? Tendiere ich nicht dazu noch einmal kritisch abzuwägen, alles in Frage zu stellen? Ist das nicht meine, unsere heutige ab- bzw. aufgeklärte Art? Wahrscheinlich schon. Aber komme ich so bei den wichtigen Fragen des Lebens weiter?

Weiter: Die Weisen waren Realisten. Sie gehen davon aus, dass der neue König im Königshaus geboren wurde und; dass dieser neue König, „der wunderbare Ratgeber“ (Jes 9,5), bei den Gelehrten zu finden sei. ABER – und jetzt in den Worten Benedikt XVI: „Aber nun mussten sie feststellen, dass sie dort (bei den Schriftgelehrten, Anm.) zwar Auskunft, aber nicht den Neugeborenen selbst fanden. Sie mussten erkennen, dass Gott ganz anders ist, dass er gerade nicht in der Macht dieser Welt ist und auch nicht einfach in der Wissenschaft, auch nicht einfach in der Theologie da ist und sich greifen lässt. Sie mussten erkennen, dass die Macht, auch die Macht des Wissen, ihm im Gegenteil oft viel eher den Zugang versperrt. Sie mussten umdenken, umlernen, ihr Sein selbst wandeln lassen. Sie mussten hinausgehen in die kleine Stadt... nach Bethlehem. Und sie mussten auch dort noch einmal zu den Zugewanderten, zu den Ärmsten gehen, um den König der Welt zu finden... Dorthin gehen wir, dort steht der Stern.“ (Benedikt XVI., Weihnachtspredigten, Augsburg 2007, S. 83 ff.)

Schließlich: Von dieser Erfahrung (also von der Begegnung mit der „demütigen Ohnmacht seiner Liebe“ (ebd.) zu Weihnachten) im besten Sinn „bekehrt“, gehen die Weisen schließlich auf „einen anderen Weg“ heim, dh: in der Nachfolge Jesu heimwärts. Sie verlassen das Gewohnte, und folgen dem König der Welt. Mutig.

Diese Begegnung mit der demütigen Ohnmacht der Liebe Christi, die uns verändert, wünsche ich mir, allen Menschen, die ich im Herzen trage, und Euch allen! Gesegnete Weihnachten und ein glückliches neues Jahr! Maxi