Vom Atheisten zu einem Jünger Jesu

2008 begann ich zu leben. Dies ist mein Zeugnis. Mein Zeugnis dafür, wie Gott  aus mir, einem verirrten Sünder einen Jünger machte.

 „Der Glaube ist für die Menschen erfunden worden, die kein Rückrat besitzen, um alleine durchs Leben zu gehen.“ „Gott ist Tot. Gott bleibt tot“

Mit diesem Satz und diesem Zitat von Nitzsche bin ich aufgewachsen, damit wurde ich aufgezogen. Das ich heute anders denke, das brauchte Jahrzehnte.

Aber ich möchte ganz von Anfang an beginnen. Ich stamme aus dem ehemaligen Ostblock. Daher kann ich sagen, egal, wo ich war, ob daheim, in der Schule, unter Freunden, überall hatte ich es mit diesen beiden Leitsätzen zu tun. Wie konnte es auch anders sein, wenn mein Vater es so vorlebte, wenn mein Vater es so sagte, von ihm habe ich erstmals diese Sprüche gehört.  

Die Schule hatte auch nichts anderes geboten. Von der 5. Klasse an wurde mir klar und deutlich eingehämmert: „Wehe, du wirst in einer Kirche erwischt. Derjenige darf sich glücklich schätzen, wenn er dann noch als Straßenkehrer oder Bettler sein täglich Brot verdienen darf.“ Das hat gesessen!

Als ich mit etwa 18 Monaten einen Unfall hatte, nach dessen Folgen ich Wochen und Monate gelähmt war, da ich mit dem Kopf auf ein altes, eisernen Stück Gitter aufgeschlagen war, auch dieser Ereignis wurde verwendet, diesen Nitzsche Satz wieder zu bringen.

Statt zu sagen, Gott sei dank, das Kind hat überlebt und aus ihm könnte doch etwas werden, hatte man das Gegenteil gesagt: “Wo war denn der große Gott in diesem Moment, das er dich nicht aufgefangen hatte?“  Auch Jahre später, als ich damals im Alter von 7 Jahren von fremden Jugendlichen vergewaltigt wurde, kam wieder diese provokante Frage: Wo war ER denn??? Ich wünsche heute niemanden, diese Dunkelheiten durchleben zu müssen. Auch nicht die Demütigungen, die ich später, als ich in die Pubertät kam, in Form von Nötigungen, Missbrauch, und ähnlichem durchmachen mußte.

Das Jahr 1989: eine Reihe von Revolutionen zieht sich durch die Ostblockstaaten. Ich sehe heute noch manchmal, als wär es erst gestern gewesen, wie aus Repetiergewehren Leuchtkugelreihen erst gen Himmel  steigen, um den Abend zu erhellen und dann in die Massen sinken. Ich sehe manchmal noch vor mir, wie Menschen von Kugeln getroffen, tot zur Boden sinken und wie Müllsäcke in Gepäckträger eines Autos geworfen werden. Ich bekam mit, wie Verwandte meiner Freunde, wie Kollegen meiner Eltern, von Kugeln getroffen zusammenbrachen, nur weil sie zur falschen Zeit am falschen Ort aus einer Straßenbahn stiegen. Auch Erinnerungen, die ich nie haben wollte.

Jahre, Jahrzehnte also geprägt von Erniedrigungen, aber auch vom Haß, den ich erleben mußte da ich durch all das was ich durchgemacht habe, Gewalt jeglicher Art so gut ich konnte abgelehnt habe, aber auch durch mein Anderssein, durch meine deutsch-ungarische Abstammung

Mein Weg mit Christus - dank meiner Oma war ich immerhin getauft - begann erst 1997. In diesem Jahr begegnete ich einer Frau, die heute bei den Franziskanern ist. Sie begann, wie auch immer, mich, den überzeugten Atheisten, den Saulus in mir, langsam zu einem Paulus, einen gläubigen Christen, zu verwandeln, besser gesagt zu öffnen. All das Wissen, die Erfahrungen, die ich durch diese Freundschaft mit ihr erwerben konnte, halfen mir später dahin zu kommen, wo ich heute bin.

Pfingsten 2008: Das allererste mal komme ich nach Salzburg, zum Pfingstfest der Loretto Gemeinschaft. Ich hatte damals keine Ahnung gehabt, was auf mich zukommt. Ich ahnte nicht wie mitreißend es wird, ich ahnte nicht, dass ER mich rufen würde, ich ahnte nicht welche Überraschungen ER für mich parat hatte.

Ursprünglich dachte ich mir, wenn es mir nicht zusagt, gibt es immerhin eine gute Zugverbindung nach hause, mir steht es ja frei, jederzeit zu gehen. Ich muß es nicht erzählen, das ich bis zur letzten Minute geblieben bin, und jede einzelne dieser Minuten auch genossen hab!!!

Was ist passiert? Ich wurde berührt, mein Herz wurde berührt und geöffnet. Dieses erste mal noch ganz vorsichtig und leise, kann auch sein, nur deswegen so vorsichtig, weil ich selber noch nicht soweit war, mich mehr zu öffnen. Dann kam der Tag der Lebensübergabe.

Der Ruf, Jesus ganz mein Leben anzuvertrauen, begann schon in der Zeit davor, als es dann aber soweit war, war der Ruf unwiderstehlich. Und da oben, vor dem Altar zu knien, die Gebete zu hören, Christus, unseren Herrn im Blick, die Segnenden Hände der Priester auf dem Kopf zu spüren, das hat mich so bewegt, wie nie etwas vergleichbares zuvor. Und da passierte es auch, das, wie ein leises Säuseln, etwas durch mein Herz und meine Seele huschte, ein Gefühl der Freude, des Friedens, ein Glücklichsein, Glückseligkeit, die ich bis dato nie gekannt habe. Da wußte ich genau, dass ich im Folgejahr wiederkommen werde.

Der Abend der Barmherzigkeit: Ich war wieder - was ich mir zuvor nie hätte vorstellen können - ganz vorne, als das Allerheiligste durch den ganzen Dom getragen wurde. Und beim Berühren der Monstranz hat der lebendige GOTT, dessen Existenz ich so lange weigerte anzuerkennen, erneut mein ganzes Sein berührt, mit einer Kraft, mit einer Liebe, das ich dachte , ich kann nicht anders, ich MUSS mich DIESEM GOTT hingeben, mich einfach in SEINE Hände fallen lassen. Als ich es auch tat, standen Tränen der Freude, des Glücks in meinen Augen. Mir, der nie weinen gelernt hatte, nicht damals mit 7, nicht später in der Schule, nicht 1989. Ich hab danach geheult, wie nur ein kleines Kind weinen kann. SEIN Kind. Da, dort oben, vorm HERRN begriff  ich endgültig: es gibt IHN!!!

Die Jahre 2009 und 2010 folgten und ich war immer und immer wieder dabei und jedes Jahr wiederholte sich dieses Erlebnis, immer und immer stärker, leidenschaftlicher, mächtiger. ER schafft das. Nie ist ER mächtiger, nirgends ist ER gewaltiger, gnädiger und barmherziger als dort, wo ein Mensch, ein „heimkehrender Sohn“, ein bekehrender sich vor IHM hinkniet und sagt: „Hier bin ich mein HERR und mein GOTT, ab jetzt bin ich ganz DEIN!!!“

Dann das Jahr 2011. Wie gewohnt komme ich Pfingsten nach Salzburg. Mein Herz freut sich schon seit Wochen darauf, wieder dabei sein zu dürfen. Erneut die Lebensübergabe, dann der zweite Aufruf, für das Apostolat gesendet zu werden.

Ich erinnere mich noch gut daran, ich muß mich mit aller Kraft bremsen, damit ich nicht losstürme, denn vor mir stehen lauter kids und Jugendliche, im Vergleich zu mir Striche in der Landschaft – ich selber bin 180 cm groß und wiege etwa 90 kg- wäre ich also nach SEINEM Ruf gleich voll losgelegt, hätte es womöglich einige kaputte Knochen gegeben J

Als der Aufruf kommt, bin ich wieder oben, im Altarbereich, vor IHM. Ich bitte und bete für meine Sendung, für Alles, was ER mit mir vorgesehen hat. Erst als ich mein ganzes Sein in SEINE Hände lege, alle meine Sünden, mein ganzes Leben zu SEINEN Füße lege, erst als ich sage: „HERR, nimm mich ganz, ich will nicht mehr sein, sonder DU sollst in und durch mich leben, denn Dich will ich in meinem Leben, DIR mit all meiner Kraft und meinem ganzem Sein dienen!“ Da hatte er mich erhört, mich, SEIN Kind gesegnet!!! Es war im Vergleich zu meinen bisherigen Erfahrungen nochmals eine übertreffende und überflügelnde Berührung!!!

Seitdem, oder besser gesagt schon seit dem Jahr 2008, ist mein Wissen, meine Erfahrung, einfach alles was ich bin, durch den Glauben zur Gewißheit geworden, das GOTT lebt, das GOTT das Leben  ist!!!

Darum dieses mein Zeugnis. Mein Zeugnis dafür, wie Gott aus mir, einem total verirrten Sünder, einen Jünger  in seine Nachfolge gerufen hat. 2008 begann ich zu leben - da berührte Er mein Herz.

Ich wurde mit dem Satz „der Glaube ist für die Menschen erfunden worden, die kein Rückrat besitzen, um alleine durchs Leben zu gehen.“ erzogen. Heute bezeuge ich vor euch allen: Dort, wo nur einer in die Welt tritt und vor allen anderen laut sagt: „Ich bin Christ, ich glaube an IHN und ich folge nur IHM!“ - dort zeigt ein Mensch Rückrat! Dort beginnt Neues zu blühen, dort entsteht Neues Leben, dort gibt es Hoffnung und Zuversicht!

Gesegnete Weihnachten! Möge Jesus von Neuem in deinem Herzen geboren werden!

Shalom, dein Thomas